EBM-Änderung zum 1.10.2015: Im Einklang mit Allergiediagnostik-Leitlinie

Die Ankündigung im Deutschen Ärzteblatt1, dass folgende Anmerkung zur Gebührenordnungsposition 32427 „Allergenspezifische Immunglobuline I“ (spezifisches IgE) im Abschnitt 32.3.5 des einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) zum 1. Oktober 2015 aufgenommen wird, hat für einige Unruhe gesorgt: 

Die Erbringung und/oder Auftragserteilung zur Durchführung von Laborleistungen nach der Gebührenordnungsposition 32427 setzt grundsätzlich das Vorliegen der Ergebnisse vorangegangener Haut- und/oder Provokationstests voraus, ausgenommen bei Kindern bis zum vollendeten 6. Lebensjahr.

Die Nachfrage des Verbands der Diagnostica-Industrie (VDGH) bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat ergeben, dass diese Regelung im Einklang mit der AWMF-Leitlinie zur in-vitro-Allergiediagnostik2 steht. Danach sind weiterhin alle dort aufgeführten Ausnahmen zulässig, in denen ein Bluttest vor einem Hauttest als erste Diagnostik durchgeführt werden kann: 

Der primäre Nachweis von spezifischem IgE, d. h. Bestimmung vor anderen diagnostischen Maßnahmen wie der Hauttestung, ist indiziert bei:

 

Patienten, bei denen die Hauttestung schwierig durchzuführen ist:

  • verminderte Belastbarkeit des Patienten (Gravidität, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vasomotorische Dysregulation),
  • Hautveränderungen im Testbereich,
  • Vorliegen einer Urticaria factitia,
  • Säuglinge und Kleinkinder,
  • weitere Kontraindikationen zum Hauttest oder zu anderen diagnostischen Verfahren (Antihistaminikaeinnahme etc.),
  • Allergene, die für die Hauttestung nicht verfügbar sind.

Gefährung des Patienten:

  • z. B. anaphylaktischer Schock,
  • Verdacht auf hochgradige Sensibilisierung (Insektengiftallergie, Arzneimittelallergie, insbesondere beta-Laktam-Antibiotika),
  • Einnahme von interferierenden Medikamenten wie beta-Blockern im Einzelfall.

Dies bedeutet, dass die EBM-Änderung keine Änderung der leitliniengerechten allergologischen Arbeitsweise mit sich bringt.

Lesen Sie hier die AWMF-Leitlinie zur Allergiediagnostik:
http://dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/Leitlinie_InvitroAllergieDiagnostik2009.pdf

 

Quellen:

1 Dtsch Ärztebl 2015; 112(26): A-1212 / B-1012 / C-984

 2 In-vitro-Allergiediagnostik – Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) unter Beteiligung des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA), der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) und der Deutschen Dermatologische Gesellschaft (DDG)
http://dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/Leitlinie_InvitroAllergieDiagnostik2009.pdf

 

Sollten Sie dazu Fragen haben oder möchten Sie gerne die schriftliche Stellungnahme der KBV erhalten, melden Sie sich gerne bei Dr. Kai Steffen.

 

24.09.2015